Der Kandidat Armin Laschet

Von Moritz Josef Jacobs

Im Rahmen der Bundestagswahl am 26. September 2021 und in Anknüpfung an die Artikelwoche zur CDU-Vorwahl im vergangenen Januar bietet die Denkfabrik eine neue Artikelserie an, in der die Themen dieser Wahl, die Kandidaten und ihre Programme vorgestellt werden. Aus Gründen der Fairness wurden die Artikel über die Kandidaten jeweils von studentischen Mitgliedern der betreffenden Parteien verfasst. Für den Kandidaten Laschet empfehlen wir Ihnen, sein Porträt wiederzuentdecken, das Moritz Josef Jacobs zu Beginn des Jahres während der Vorwahlen der Christdemokratischen Partei gezeichnet hat.

Armin Laschet ist der Kandidat, der für das zentrale Partei-Mantra der CDU, der für Kontinuität steht. Laschet ist seit 2017 Ministerpräsident des größten deutschen Bundeslandes Nordrhein-Westfalen. Er wurde 1961 in Aachen, ganz im Westen Deutschlands, an der Grenze zu Belgien und den Niederlanden in ein klassisch-konservatives, katholisches Elternhaus der bürgerlichen Mittelschicht geboren. Nach dem Studium der Rechtswissenschaften in München und Bonn, wurde er kurzzeitig Herausgeber einer regionalen Kirchenzeitung in Aachen und startete in den 90er Jahren auch beruflich in eine politische Karriere. Diese trug ihn von Stationen im europäischen Parlament und dem Deutschen Bundestag zuletzt in den Landtag von Nordrhein-Westfalen. Hier war er von 2005-2010 erster Integrationsminister eines Deutschen Bundeslandes, wurde 2013 Oppositionsführer und führt seit 2017 das Land als Ministerpräsident.

Laschet hat eine typische Parteikarriere hinter sich. Er engagierte sich früh in den katholischen Jugendverbänden seiner Gemeinde und kam hierüber zur Politik. In der mitgliederstarken Jugendorganisation der CDU, der Jungen Union (JU), lernte er das politische Handwerk und zog 1989 als jüngster Ratsherr in den Rat der Stadt Aachen ein. Laschets politische Karriere ist vor allem von einem Leitmotiv geprägt: er scheiterte immer wieder an Wahlen und Kandidaturen und stand im Nachhinein trotzdem wieder auf. So verlor er 1998 sein Bundestagsmandat nach nur vier Jahren wieder und zog anschließend in das europäische Parlament ein. 2010 kandidierte er gegen Norbert Röttgen um das Amt des Landesvorsitzenden des mächtigen Landesverbandes Nordrhein-Westfalen – und verlor. Erst nachdem Röttgen 2012 die Landtagswahl in Nordrhein-Westfalen krachend verlor und zurücktrat, wurde Laschet Vorsitzender und gab sich vier Jahre der Rolle als Oppositionsführer hin. Auch zu den Landtagswahlen von 2017 trauten viele Bürger und auch Parteifreunde Laschet nicht zu, die Wahl zu gewinnen. Er hat sie alle eines Besseren belehrt und steht in der Partei nun mächtiger denn je da. Auch deshalb waren viele verwundert, als er nach dem Rücktritt von Angela Merkel 2018 nicht für den Vorsitz kandidierte. Erst am 25. Februar 2020, etwa zwei Wochen nach dem Rücktritt von Annegret Kramp-Karrenbauer, trat Laschet gemeinsam mit Gesundheitsminister Jens Spahn vor die versammelte Hauptstadtpresse um eine Team-Kandidatur bekannt zu geben. Eine bedachte, abgewogene, strategisch ausbalancierte Entscheidung – typisch Lachet.

Politisch wird Laschet dem Mitte-links Flügel der Partei zugerechnet. Er schloss sich als junger Bundestagsabgeordneter der sog. „Pizzaconnection“ an, einer Gruppe von jungen Grünen und jungen Christdemokraten, die Gemeinsamkeiten betonten und auf eine zukünftige Regierung im Bund hinarbeiteten. Mit seinem 2009 erschienenen Buch „Die Aufsteiger-Republik“ legte er ein klares Bekenntnis zu einem Deutschland als Einwanderungsland vor. Lachet stand in den Kontroversen um den Atom-Ausstieg, der Finanzkrise und der Flüchtlingswelle von 2015 stets auf Seiten Merkels und wird deshalb häufig als „männliche Merkel“ bezeichnet. Doch er führt sein Land seit 2017 mit einem klassischen CDU-Kurs für verstärkte innere Sicherheit, schnelleren Straßenausbau und ein eher traditionelles Schulsystem. Trotz aller Bereitschaft zu einer Bewegung der CDU in die vermeintliche „Mitte“, wird Laschet als streng katholisch beschrieben und lehnte 2017 etwa die Einführung der gleichgeschlechtlichen Ehe in Deutschland ab. Dieses kontinuierliche beharren auf dem Merkel-Kurs der „Mitte“ mit traditionellem, katholischem Anstrich könnte für Armin Laschet Verheißung und Verhängnis zu gleich werden: Er könnte das Schiff CDU auf einem Kurs halten, der die Partei in den letzten 15 Jahren erfolgreich zu Wahlsiegen geführt hat. Fraglich bleibt hier, ob er an die Erfolge des Originals anknüpfen können wird. Für die immer zahlreicher werdenden, parteiinternen Kritiker der Kanzlerin hingegen ist Armin Laschet ein Steuermann auf falschem Kurs. Sie erhoffen sich, gerade durch einen beherzten Kurswechsel wieder an Profil zu gewinnen und bei Wahlen erfolgreich zu sein. Die letzten Wahlen im Bund und vor allem in den ostdeutschen Bundesländern zeigen auch in der Bevölkerung eine beträchtliche Abneigung gegen den Kurs von Angela Merkel. Auch deshalb war es klug von Laschet, sich für seine Kandidatur Gesundheitsminister Jens Spahn mit ins Boot zu holen.

Der Münsterländer Spahn gilt als konservativ – er trat gerade nach der Flüchtlingskrise von 2015 als Kritiker der Kanzlerin auf. Spahn wurde als Gesundheitsminister in der Corona-Pandemie in ein unvergleichliches Scheinwerferlicht gerückt und hat hier, vor allem im Vergleich zu anderen Ländern in Europa und der Welt, eine gute Figur gemacht. Hierzu gibt die Personalie Spahn, der mit dem Boulevard-Journalisten Daniel Funke verheiratet ist, dem sonst recht traditionell wirkendem Laschet einen modernen Anstrich. Ob das Team Laschet-Spahn am Samstag mit dieser Mischung aus Positionen wird überzeugen können, bleibt offen. Jedenfalls ist das Versprechen des „weiter so“, das Versprechen der Kontinuität, eines, dass in einer Partei wie der CDU die Delegierten bewegen kann.

Im letzten Jahr ist eine Biographie über Armin Laschet erschienen. Sie trägt den Titel „Der Machtmenschliche“ – besser ist die Figur Laschet nicht zusammen zu fassen.

Comment (1)

  • Laschet n’est pas le candidat pour être chancelier.
    L’Allemagne doit se réformer vite, innover, redevenir un pays symbole de la modernité . La femme doit trouver sa vraie place dans la société et sa vie professionnelle monobstant deux ou trois enfants. Il est plus que temps de ne plus faire dans la continuité. Après le Corona Virus ce serait la pire des calamités. , Soyons optimistes , il n’y a pas de fatalité . Les deux grands partis populaires au Gouvernement actuel sont ùn peu ringards pour proposer des perspectives nouvelles et un élan aux nouvelles générations. Les sondages qui sont faist dans la population sont très révélateurs d’un certain ras le bol.. Apparemment dans les instances de la CDU comme dans celles du SPD on a peur du changement comme si on avait peur de respirer l’air du large.

    Michel Deniau
    Antworten

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