Französische Studenten in Deutschland können nicht weiter isoliert werden

Von Hugo-Louis Leclerc - Übersetzung von Nicoletta Maier - Foto von Frederick Florin AFP

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Seit einigen Wochen findet vor allem in Frankreich eine gesellschaftliche Debatte statt über die Art und Weise, wie Studenten in der Zeit des COVID-19 ihre Studienjahre erleben. Prekarität und soziale Isolation u.a. haben die Zeiten für viele düster gemacht.

Als französische Studenten in Deutschland leben wir auch mit Einschränkungen, die unser soziales und akademisches Leben beeinflussen. In einem solchen Klima ist es für uns essentiell, dass wir mit der Möglichkeit rechnen können, nach Hause zu unseren Familien zurückzukehren. Allerdings ist diese Aussicht seit einem Jahr kompliziert durch reduzierten Bahnverkehr, erhöhte Ticketpreise und unterschiedliche Maßnahmen beider Länder zur Einreise.

Während wir nach dem Sommer zum Beispiel für fast 15 Tage unter Quarantäne gestellt wurden, haben einige Bundesländer nun französische Staatsangehörige von dieser Maßnahme befreit. Es besteht nach wie vor die Verpflichtung, sich 48 Stunden vor der Einreise nach Deutschland einem PCR- oder Schnelltest zu unterziehen. Dieser kann mittlerweile in Frankreich durchgeführt werden, wird von der Sozialversicherung erstattet und findet inzwischen in der Regel schnell und einfach statt.

Seit dem 1. Februar muss jeder, der nach Frankreich reisen möchte, das Ergebnis eines negativen PCR-Tests weniger als 72 Stunden vor der Ankunft in Frankreich vorlegen.

Konkret bedeutet dies, dass wir, um nach Frankreich zurückkehren zu können, in Deutschland nur einen PCR-Test durchführen können, da Schnelltests nicht akzeptiert werden.

Es ist wichtig zu wissen, dass in Deutschland und vor allem hier in Köln, ein Test 114€ kostet (39€ Test und 75€ Laborkosten). Die Krankenkasse erstattet dann auf Basis einer Pauschale von 60€. Mit anderen Worten: Zusätzlich zu den Kosten, die vorgestreckt werden müssen, muss ein Student 54 € für die Heimreise aufbringen.

Ohne diesen Test wird man bei stichprobenartigen Polizeikontrollen bei der Einreise nach Frankreich entweder aus dem Zug zurückgewiesen oder mit einem Bußgeld von 135€ belegt.

Sind wir wirklich der Meinung, dass Studenten, die nach Hause zurückkehren, an dieser Stelle als Bürger betrachtet werden sollten, die in der Lage sind, diesen Betrag für einen Test auszugeben, bevor sie in Frankreich ankommen, oder als Bürger, die sich strafbar machen, wenn sie es sich nicht leisten können, aber trotzdem ihre Familien wiedersehen wollen? Während den Bewohnern von Grenzgebieten eine Ausnahme eingeräumt wurde, werden Studenten die keine Touristen sind kaum berücksichtigt.

Seit Beginn der Krise sehen sich französische Studenten, die in Deutschland studieren - und umgekehrt - im aktuellen Kontext zwischen Maßnahmen, die den Reiseverkehr zwischen unseren beiden Ländern einschränken, hin- und hergerissen. Obwohl diese legitim sind, um die Epidemie sowohl in Frankreich als auch in Deutschland einzudämmen, bleibt die Tatsache bestehen, dass die Studenten durch diese Beschränkungen ihre Orientierung auf den Kopf gestellt sehen.

Diejenigen, die zu ihren Familien zurückkehren wollten, haben diese Aussicht angesichts der Komplexität dieser Beschränkungen, die auf europäischer Ebene überhaupt nicht harmonisiert sind, schwinden sehen.

Wir schlagen mehrere Lösungen für diese Situation vor, von denen die europäischen Studenten profitieren sollten. Die erste wäre, Schnelltests zu akzeptieren, die billiger sind und in das Erstattungspaket der Krankenkassen passen.

Die zweite wäre die Aufwertung des Erstattungspakets von der Krankenversicherung.

Schließlich eine Ausnahmeregelung zur Einführung einer Testpflicht bei der Ankunft in Frankreich, die durch eine konsularische Befreiung im Falle der Unmöglichkeit, sich im Wohnsitzland testen zu lassen, gewährt wird.  

Es scheint uns legitim zu sein, zu überlegen, dass Studenten, erst recht im aktuellen Kontext, das Recht haben sollten, zu ihren Familien nach Frankreich zurückzukehren.

Die aktuellen Bedingungen des Fernstudiums und das trübe Klima haben die Lebensbedingungen für alle verschlechtert und betreffen uns als im Ausland lebende Studenten umso mehr.

Wir möchten daher die Aufmerksamkeit der Regierung und der deutsch-französischen Kooperationsmechanismen auf die Notwendigkeit lenken, über deutsch-französische Reisen jenseits der grenzüberschreitenden Regionen nachzudenken.

Denken wir daran, dass es sich bei den Franzosen im Ausland nicht nur um wohlhabende Expatriates handelt? Denken wir auch daran, dass, wenn diese Maßnahmen Teil des Kampfes gegen die Epidemie sind, wir alle davon profitieren würden, wenn wir keine refraktären Einschränkungen ergreifen würden? Diese würden diejenigen bestrafen, die durch den aktuellen Kontext und die Maßnahmen, die außerhalb des Stadtgebiets ergriffen werden, anders betroffen sind.

Was wir auch nicht aufgeben sollten, sind die Voraussetzungen für eine europäische Harmonisierung der Freizügigkeit der europäischen Bürger zu schaffen, damit der Schengen-Raum in solchen Zeiten, in der er seine volle Bedeutung erlangt, nicht ins Abseits gerät.

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